MARGARETA SANDHOFER

Rede anlässlich der Buchpräsentation Grosses Bild mit Lila in der Wiener Secession

Ja, ich möchte auch alle hier Anwesenden begrüßen und mich für Ihr Kommen bedanken. Ganz besonders aber herzlichen Dank für die Einladung an Elisabeth und Herwig.

Elisabeth Planks Werdegang beginnt im Studium bei Ossi Oberhuber an der Angewandten in den Jahren 1979 bis 1984. Das vorliegende Buch ist ein chronologisches Bilderbuch, das auf die unterstützenden oder interpretierenden Worte eines begleitenden Textes bewusst verzichtet und sich allein auf die bildhafte Wirkung eines Oeuvres konzentriert. Es beginnt mit Arbeiten von 1983, mit großformatigen abstrakten Bildern, mit Großes Bild mit Lila. Der Titel des ersten Gemäldes ist der Titel des Buches; Das Buch beginnt also mit Arbeiten in einer Zeit, in der Elisabeth Plank noch studierte und endet mit Arbeiten aus dem vergangenen Jahr, 2014. 

Das Buch ist wie ein Zeitraffer ihres Oeuvres, wie ein filmischer Abriss einer fortlaufenden Entwicklung, in der Elisabeth Planks Schaffen diverse Stationen durchläuft. Sie arbeitet ihre Problemstellungen und Themen in Serien auf. Verschiedene Einflüsse sind nachvollziehbar, Begegnungen mit faszinierenden Menschen und Künstlern, mit andersartigen Kulturen oder mit den ganz einfachen, direkten alltäglichen Lebensumständen und Situationen im privaten Leben.

1984 schließt Elisabeth Plank ihr Studium bei Ossi Oberhuber ab. Mit der Ausstellung Junge Szene Wien hier in der Secession beginnt 1986 ihre Ausstellungstätigkeit. Es ist daher auch schön, dass sie hier in der Secession  ihr erstes Buch präsentiert. Ausgehend von der abstrakten Malerei, wie Großes Bild mit Lila von 1983 tauchen in den darauffolgenden Jahren landschaftliche Facetten in ihren Bildern auf, oft nur assoziativ und metaphorisch. Motive aus der Natur sind ganzfigurig oder fragmentarisch mehr oder weniger in den Farbfeldern auszumachen. Früh entdeckt die Künstlerin für sich den Umgang mit Luftpinsel und Schablone. 1986 entstehen Allegorien, die erste Überlegungen zur Figur als Bildvokabel thematisieren, d.h. die Figur aus ihrem darstellenden Kontext lösen und als formales Gebilde autark oder auf einer parallelen Ebene zu ihrer darstellenden Funktion begreifen. Figur und reine Form halten sich in Schwebe.

Im Weiteren treten poetische Bildkompositionen auf, die weniger die Ratio als das Gemüt ansprechen. Es zeigen sich schemenhaft Gestalten, die im Farbnebel wieder abtauchen. Fragmentarisch erkennbare Hände deuten auf einen Handlungsakt, der sich nicht eruieren lässt. Geschehnisse oder Zusammenhänge werden traumartig heraufbeschworen um sich fast simultan als reines Farbgefüge einer inhaltlichen Interpretation zu entziehen. 

1991 hält sich Elisabeth Plank für ein Stipendium 6 Monate lang in New York auf. 1992 folgt ein Stipendium in Japan, das einen deutlichen Einschnitt in ihrem Schaffen zu Folge hat. Asketische Tuschearbeiten auf Papier in abstrakten Modi, die sich spiegeln und im selben Blatt subtil generieren, unterbrechen temporär ihre Vorliebe zur Farbe. Zu dieser kommt sie in nicht weniger reduzierten farbigen Strichcodes zurück. So malt sie 1993  – zurück in Wien – die Serie der abstrakten Zeitcontainer, die eine Verdichtung und Entformalisierung der japanischen Tuschearbeiten darstellen. Aus diesen Zeichen heraus entwickelt sie ihre Formen und ihr farbiges Vokabular neu. Ab 1994 arbeitet sie im Staatsatelier in der Wiener Davidgasse, Franz Graf und Walter Vopava waren ihre Nachbarn und Freunde. 

1996 erscheint das gemeinsam mit Franz Graf herausgegebene Künstlerbuch Antarctica Brahma, das den verschiedenen künstlerischen Positionen einer Gruppenausstellung in der Galerie nächst St. Stephan gewidmet ist. Im selben Jahr gestaltet Elisabeth Plank mit farbigen Glasfenstern für die Kapelle Glimpfingerstraße in Linz ihre erste Arbeit im öffentlichen Raum. Weitere Aufträge ähnlicher Art folgen, etwa 2010 die Realisierung einer monumentalen Glaswand (von 42 Quadratmetern) in der Kapelle Sonnenhof, Linz. Dieses Arbeiten mit dem Material Glas scheint eine sehr nahe liegende Folge und Entfaltung von Elisabeth Planks Malerei in einem anderen Medium zu sein; in einem Medium, das die direkte Umsetzung der Symbiose von Licht und Farbe erlaubt, liegt die Farbe und ihre Strahlkraft doch permanent im Fokus ihres Schaffens. 

Spätestens seit den 90er Jahren beschäftigt sie sich mit reduzierten, fluidalen Malvorgängen. Auch der Luftpinsel findet immer wieder Verwendung für die adäquate Umsetzung ihrer Bildideen. Das große Format wird als großzügiger Entfaltungsraum genutzt, das kleine in seiner Intimität geschätzt. Die Farbe wird mit dem Haarpinsel wie mit dem Luftpinsel nie mit brachialer Vehemenz, sondern immer mit großer Sensibilität aufgetragen, die Farbnuancen zart kalibriert und mit lasierenden Schichten eine räumliche Qualität erzielt.

In den letzten Jahren kommt es zu einer Reduktion des Gestischen zugunsten klarer konzentrierter Setzungen elementarer Grundformen. Horizontale, Vertikale und Diagonale werden in ihren bildkonstitutiven Qualitäten in autarker wie in kombinierter Form in vielgestaltigen Varianten spielerisch erprobt und im Gefüge räumlich ausbalanciert. Architektonisch anmutende Gebilde können entstehen, die sich aber jeder rationalen Logik widersetzen.

In der Malerei von Elisabeth Plank geht es um einen visuell bildnerischen Prozess, der das Vokabular der Malerei selbst thematisiert. Elemente der Malerei, wie Farbe, Form, Struktur und Raum werden nicht illustrierend oder illusionistisch eingesetzt, sondern direkt zum Bau der Bilder. Wiederholt tauchen in Serien Figuren auf wie Gitarristen, Tänzer, Blumen, Pferde oder Reiter, schabloniert und entindividualisiert. Sie sind jedoch nicht im Widerspruch oder in einer Dominanz gegenüber der formalen Qualität gesetzt. Denn sie erzeugen an Stelle einer Narration einen Rhythmus und im Gesamtkontext einen eigentümlich vibrierenden Bildraum, in dem beiderlei, Darstellung wie informeller Gehalt oszillieren und sich zu einem symbiotischen Heterogen verbinden.

Bei Betrachtung des Werks im filmischen Durchlauf des Katalogs drängt sich der Gedanke einer Verbindung zum Denken des ehemaligen Lehrers Ossi Oberhuber auf. Denn Elisabeth Planks Praxis ist von einer grundlegenden Ungebundenheit getragen. Sie betreibt ihre Malerei in einer Freiheit gegenüber kunsthistorischen Ismen wie gegenüber ihrem eigenen Werk, ohne Zwang sich als einen Kontrapunkt oder antithetisch zu beweisen und genauso ohne Furcht vor Berührungspunkten mit dem allgemein vertrauten Repertoire der Zeitgenossen. Sie betreibt ein Experimentieren und Navigieren mit dem Bildvokabular, das sie sich aneignet ohne auf ein bestehendes Referenzsystem zu reagieren. Die formale Entwicklung wird nicht gesucht, sie stellt sich in ihrer Strategie einer offenen Aufmerksamkeit gegenüber äußeren wie inneren Bewegungen ein. Elisabeth Planks Oeuvre begründet keinen Stil, es wurzelt in keiner Schule und in keinem Idealismus, sondern in ihrer eigenen prinzipiellen Haltung. Darin gründet die Konstante im nicht festsetzbaren kontinuierlichen Wandel des Werks. Elisabeth Planks Arbeit vollzieht konsequent vielgestaltige Metamorphosen ohne ihre Authentizität zu riskieren, sie resultiert nie in einem Stadium der Unversöhntheit, weder bildintern noch mit der oft missgünstigen Umwelt. Es ist nie ein endgültiges Statement, sondern jede Serie ist jeweils eine momentane Äußerung als vorläufige Station einer permanenten Exploration und einer unbeirrbaren Bejahung des Mediums Malerei, die direkt aus dem Werk spricht. 

Ich danke und wünsche genüssliche Streifzüge in diesem Bilderbuch.

September 2015